18 Jun 07
Ist die Korrektur der Nickelnotierung auf zeitweise bis unter USD 40.000,00/mt auf Änderungen in der Nachfrage der Edelstahlproduzenten zurückzuführen oder nur ein kurzfristiger Einfluss spekulativer Marktteilnehmer, um den tendenziell illiquiden Markt zur Eindeckung von Shortpositionen nach unten zu bringen? Wahrscheinlich hat beides bei der überfälligen Konsolidierung einen Einfluss gehabt.
Die derzeit von einigen Vertretern der Edelstahlindustrie von Veranstaltung zu Veranstaltung kund getanen Schlussfolgerungen hinsichtlich Nickelmarkt sind hingegen nicht immer ganz stringent, man könnte auch sagen opportunistisch. Wird zum einen die Einführung eines Produzentenpreises für Nickel als Ablösung zu der vorgeblich von Funds dominierten Notierung an der London Metal Exchange (LME) gefordert, so profitierten die Stahlunternehmen doch in der Vergangenheit nicht unerheblich vom Preismechanismus der sogenannten Legierungszuschläge, die in einigen Teilen der Welt und insbesondere in Europa eine große Verbreitung haben. Doch diese Legierungszuschläge berechnen sich ausgerechnet nach den gewichteten Durchschnitten der LME-Nickelnotierungen der vergangenen Monate und gerade nicht etwa nach den tatsächlichen Rohstoffbeschaffungskosten der Edelstahlhersteller, die aufgrund bestehender langfristiger Rahmenkontrakte mit den Nickelproduzenten stets deutlich niedriger gelegen haben dürften. Nicht völlig grundlos schrieben die Hersteller in den letzten Jahren daher glänzende Gewinne.
Nun aber, da sowohl in der Geschwindigkeit des Erreichens, als auch in der absoluten Höhe eine unbestritten neue Dimension bei Nickel erreicht wurde, geht man plötzlich auf die LME los, als sei diese Institution die Wurzel allen Übels. Man muss sich natürlich fragen, ob Nickelnotierungen über USD 50.000,00 pro mt derzeit wirklich schon zeitgemäß sind, allein aber die Tatsache, dass die Edelstahlwerke die Legierungszuschläge und die im Gleichschritt ständig erhöhten Basispreise nicht mehr voll an Ihre Kunden weiter geben können, heißt noch lange nicht, dass die Notierung als solche ohne Fundament ist.
Vielmehr kann man die Ansicht vertreten, dass mit dem System der Legierungszuschläge durch die Edelstahlindustrie ein Hedgeinstrument außerhalb der LME geschaffen wurde, dass sich auch über lange Jahre bewährt hat. Auf der anderen Seite, darf man sich dann aber nicht beschweren - wie unlängst in wundersamem Gleichklang geschehen - dass die weltweit wichtigste Metallbörse von Nickelproduzenten und den vielzitierten Hedgefunds dominiert wird. Wenn man sich offensichtlich aus einem Markt heraushält, weil man lieber auf einen eigenen Absicherungsmechanismus baut, dann fehlt an der Börse ganz offensichtlich eine wesentliche fundamentale Marktseite. Dass macht es dann natürlich für die tendenziell an hohen Preisen interessierten Nickelproduzenten grundsätzlich leichter den Markt in eine Richtung zu bringen. Dumm, nur zu dumm ist es aber, wenn dieser vielgeliebte Absicherungsmechanismus ausgerechnet mit einer Börse fast zu 100% korreliert, aus der man sich erhobenen Hauptes und voller Überzeugung verabschiedet hat.