News item

16 Jul 07

Nickel zieht es gen Süden

Die Nickelnotierungen an der London Metal Exchange (LME) folgen derzeit der Reisewelle der Urlauber aus Deutschland. Sie zieht es in den Süden. Und zwar gehörig. Die 3-Monats-Notierungen haben sich seit ihrem relativen Hoch von USD 51.800,00/mt auf bis zu USD 31.500,00/mt reduziert. Dies ist immerhin eine Korrektur von beinahe 40 Prozent. Diese Bewegung hat aber weniger mit einer sommerbedingten Nachfrageschwäche zu tun, als mehr mit einer sich selbst verstärkenden Entwicklung, an deren Anfang die Edelstahlwerke und deren Öffentlichkeitsarbeit standen. Sichtlich genervt von den hohen Nickelnotierungen und einem damit einhergehenden partiellen Margenverfall, hatten diese nämlich – erfolgreich, wie man heute sieht – versucht, ein wenig den Dampf aus der Rohstoffpreisentwicklung zu nehmen. Dabei soll durchaus nicht verschwiegen werden, dass auch das vormals als äußerst hoch zu bezeichnende Preisniveau von Nickel und damit auch Edelstahl einen negativen Nachfrageeinfluss ausgeübt hat.

Ausgangspunkt der vorbezeichneten Strategie war es, den Markt über bevorstehende Produktionskürzungen zu informieren. Diese wurden durch die Marktteilnehmer (Fachleute!?) am Nickelbörsenmarkt über längere Zeit ignoriert, bis zu dem Tag, als die Notierungen zu sinken begannen. Darüber konnten sich die Rohstoffeinkäufer der Stahlwerke dann auch kurze Zeit richtig freuen, nur leider ging es Ihren Kollegen auf der Verkaufsseite nicht ebenso. Vielmehr hatte die durch ihre Kollegen verbreitete negative Stimmung und die stetig sinkenden Notierungen dafür gesorgt, dass sich auf der Verkaufsseite der Edelstahlhersteller von einem Tag auf den nächsten gar nichts mehr tat. Denn, wer will es den Verbrauchern verübeln, dass diese nicht in einem Markt sinkender Rohstoffpreise zu den alten Edelstahlpreislisten kaufen wollten. Insbesondere, wo sich in einem System der Legierungszuschläge die Preise auf Basis der Durchschnitte der Rohstoffnotierungen der Vormonate berechnen.

Das wurde den Edelstahlproduzenten auch sehr schnell klar und sie taten dass, was man in dieser Situation scheinbar am besten tun sollte: man begann die Produktion deutlicher zu kürzen, als bisher propagiert. Diesmal hielt sich aber das Interesse an einer flächendeckenden Medienkampagne zu den neuen Kürzungen verständlicherweise sehr in Grenzen. Dennoch verbreiteten sich diese Nachrichten schnell und es passierte, was passieren musste, die Nickelnotierungen fielen weiter und deutlicher als von breiten Marktkreisen erwartet.

Nun aber, da man erkannt hat, dass die Lawine, die man da ins Rollen brachte, vielleicht nicht so ganz im Eigeninteresse lag, werden erste Maßnahmen des Gegensteuerns ergriffen, indem beispielsweise Ugine & ALZ, Outokumpu und ThyssenKrupp die Legierungszuschläge für August reduziert haben. Wie dies bei einer weitgehend starren Formel funktioniert, würde man sich allerdings gerne einmal erklären lassen. Es ist auch mindestens ein Edelstahlhersteller bekannt, der für das vierte Quartal bereits wieder deutlich steigende Preise sieht. Ob auch dieses Mal wieder aus Eigeninteresse, möchte man fragen und gleich hinterher, ob man sich denn diese Aussage dieses Mal besser überlegt hätte.

Seite: zurück 1 2 3 vorwärts

Newsletter abonnieren

Newsletter abbestellen >>

Newsletter abbestellen