22 Apr 08
Dass, was allenthalben auf Basis von bislang unvollständigem Zahlenmaterial nur vermutet werden konnte, hat sich nun auch statistisch bestätigt. Wie das International Stainless Steel Forum (ISSF) mit Sitz in Brüssel Anfang April veröffentlichte, ist die Edelstahlproduktion auf Basis vorläufiger Zahlen im Jahr 2007 um 2,9% gegenüber dem Vorjahr gesunken. Insgesamt wurden 27,6 Millionen Tonnen Edelstahl produziert. Mit Ausnahme der Marktregion Asien, wo der Output um 6,3% gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist, betraf der Rückgang für das Gesamtjahr insbesondere Westeuropa/Afrika mit minus 13,3% sowie den amerikanischen Kontinent mit minus 15,2% gegenüber den im Vorjahr erzielten Tonnagen. Der Quartalsvergleich erhöht den Detaillierungsgrad der Informationen indem sich zeigt, dass es im ersten Halbjahr zunächst zu einem erheblichen, weiteren Anstieg der Produktion gekommen war; das zweite Halbjahr 2007 wurde weltweit von drastischen Produktionskürzungen, bedingt durch die Korrektur der Nickelnotierungen sowie den durch den Handel eingeleiteten Bestandsabbau gekennzeichnet. Im dritten Quartal lagen die Einbrüche in der Produktion gegenüber dem Quartal des Vorjahrs in Europa/Afrika bei minus 34,6% bzw. minus 31,7% für die Region Amerika. Selbst Asien, welches insbesondere durch den Kapazitätsausbau in China seine Produktion im Gesamtjahr steigerte, musste für das dritte und vierte Quartal eine Schrumpfung von 2,5% bzw. 8,8% hinnehmen. Die Kürzungen haben sich dabei nach Schätzungen des ISSF insbesondere im Bereich der austenitischen Cr-Ni-Stähle vollzogen. ISSF geht nach eigenen Berechnungen davon aus, dass sich der Anteil der sogenannten 300er Serie von über 80% noch vor einigen Jahren auf rund 51% im vierten Quartal 2007 reduziert hat. Auf weiteres Zahlenmaterial in diesem Zusammenhang darf man gespannt sein, insbesondere vor dem Hintergrund der im ersten Quartal erheblich gestiegenen Chrom-Preise. Chrom wird insbesondere in den Nicht-300er-Edelstählen eingesetzt.
Wie die Börsen-Zeitung in einem Artikel feststellte, belasten die Rohstoffkosten die Stahlkonzerne, insbesondere die stark gestiegenen Preise für Erze und Kohle. Diese unter den gegebenen Marktbedingungen an sich nicht sehr revolutionäre Erkenntnis wird allerdings durch eine differenziertere Betrachtung präzisiert, die man insbesondere in Europa nicht oft genug betonen kann: Von den enormen Preissteigerungen sind die Stahlkonzerne unterschiedlich stark betroffen. Als entscheidend werden der Grad der Eigenversorgung mit Rohstoffen und die Fristigkeit der Lieferverträge genannt. Mit anderen Worten ist insbesondere Autarkie ein Gebot der Stunde für die Rohstoffbeschaffungspolitk der Stahlkonzerne. Bei aller bestehenden Planungsunsicherheit sind kurzfristige Eindeckungen auf den Spotmärkten – wie in Teilsegmenten der Rohstoffbeschaffung zu beobachten – auch nicht wirklich eine nachhaltige Lösung für das Problem, im Gegenteil: Stabilität in hoffentlich zukünftig belastbaren Lieferbeziehungen wird damit nicht erreicht.