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22 Apr 08

Ohne Strom kein Chrom

Vor dem Hintergrund der erheblichen Steigerungen der Preise für nichtbörsennotierte Rohstoffe, wie Kohle, Eisenerz, aber auch Chrom, muß man sich inzwischen ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, inwieweit die in bösennotierten Rohstoffen wie z.B. den Industriemetallen gesehenen Preisentwicklungen der letzten Jahre tatsächlich – wie von breiten Kreisen vermutet – in wesentlichem Umfang auf den Einfluss sogenannter spekulativer Einflüsse, gerne auch „die Funds“ genannt, zurückzuführen ist. Denn, wenn es beispielsweise zu einer Verdreifachung der Kohlepreise kommt (in anderen Worten: plus 200% gegenüber Vorjahr) und dieser energetische Rohstoff nicht-börsennotiert ist, dann scheint wohl doch eine erhebliche fundamentale Nachfrage, einem nicht ausreichenden Angebot gegenüber zu stehen. Dies trifft natürlich in der Angebots-Nachfrage-Funktion nicht für alle Rohstoffe gleichmaßen zu, darf aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch in Analystenkreisen durchaus noch einmal zu einer Verifikation der angelegten Modelle führen.

Chrom kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, da die gleichsam wohl noch nicht beendeten erheblichen Preissteigerungen der letzten Monate, derzeit wesentlich auf die Engpässe in der Stromversorgung der südafrikanischen Produzenten, denn auf mögliche Verschiebungen in der Nachfrage (siehe oben) zurückgeführt wird. Es zeigt sich hierbei ganz deutlich, dass die Ursachen für die Preisentwicklungen in der Regel nicht monokausal sind.

Was den Einfluss von Energieengpässen im allgemeinen auf die Rohstoffpreise angeht, hat die Investmentbank Goldman Sachs Ihre Einschätzung unlängst in einem Analystenstatement geäussert. Die fehlende Energieinfrastruktur in Südafrika, Lateinamerika, China und Australien wird als unterstützend für die weitere Rohstoffpreisentwicklung gesehen. Dies ist insbesondere auch konsequent vor dem Hintergrund der Ölpreisschätzungen von Goldman Sachs. Diese hatten bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt Ölpreise über 100 USD pro Barrel prognostiziert, was zum damaligen Zeitpunkt nicht nur beim Verfasser für erhebliche Zweifel gesorgt hatte. Wie gut die Vorhersage zutraf, kann man an den heutigen Notierungen sehen.

Ein weitere bemerkenswerte Aussage war wiederum im Zusammenhang mit den Steigerungen der Ferrochrompreise im Metal Bulletin zu lesen. Ferrochromhändler äussern dort ihre Besorgnis über die weitere Finanzierbarkeit ihres Handelsgeschäfts, aufgrund der stark gestiegenen Preise und insbesondere auch im Kontext einer möglicherweise restriktiveren Kreditvergabe der Banken wäre hier noch zu ergänzen. Leider kann man aber die zitierten Händler nicht beruhigen, denn die „Nichtfinanzierbarkeit“ für einzelne Unternehmen wird nicht automatisch zu einem Fallen der Notierungen führen. Im Gegenteil bieten derartige Engpässe insbesondere den Unternehmen Wettbewerbsvorteile, die sich rechtzeitig um eine Professionalisierung der eigenen Finanzierung gekümmert haben. Diese sollten in der Regel keine Finanzierungsprobleme haben. Leider ist aber diese – wie man heute sieht – nicht unwesentliche, betriebswirtschaftliche Funktion eines Unternehmens bei vielen Rohstoffhändlern, aber zum Teil auch bei Produzenten und Verarbeitern über lange Zeit, bei allgemein stagnierenden bis fallenden Rohstoffpreisen, eher stiefmütterlich behandelt worden.

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