11 Nov 08
Eine sehr positive Nachricht ist, dass Wirtschaftsverbände und die Europäische Union (EU) nun endlich zur Frage der Rohstoffsicherheit immer aktiver werden, allerdings in einer Phase, wo die Medienaufmerksamkeit aufgrund erheblich gefallener Rohstoffnotierungen deutlich abgenommen hat. Dennoch hat man die durchaus fundierten Feststellungen des Bundesverbandes der deutschen Industrie e.V. (BDI), dass die Zukunftsfähigkeit der Industrie von einem gesicherten Zugang nach Rohstoffen abhängt (bei primären Metallrohstoffen ist Deutschland zu nahezu 100% auf Importe aus dem Ausland abhängig), in dieser Klarheit und Deutlichkeit so lange nicht gehört. Das Zitat: “Rohstoffsicherheit ist kein Tagewerk. Rohstoffsicherheit ist Daueraufgabe, Langfristaufgabe und Gemeinschaftsaufgabe“ kann man ebenso unkommentiert stehen lassen, so wie die Aussage, dass ein „lückenloser, geschlossener Recycling-Kreislauf“ hergestellt werden muss. Die Europäische Union hat in diesem Zusammenhang ein Strategiepapier erstellt, dass die Versorgungssicherheit mit nicht-energetischen Rohstoffen zum Inhalt hat. In diesem Zusammenhang hat EU-Vizepräsident Verheugen China indirekt gedroht, sollte es auf den Weltmärkten „keinen Dialog“ geben. In diesem Fall müsse die EU hinsichtlich Rohstoffen selbst schutzpolitische Massnahmen ergreifen. Dies sei kein Protektionismus, sondern Verteidigung unserer Interessen. Gut (aber spät) erkannt, kann man nur sagen.
Wie bekannt wurde, hat ThyssenKrupp unlängst von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Stahlterminkontrakte an der London Metal Exchange (LME) zu handeln. Dabei gehörte ThyssenKrupp neben den meisten anderen großen Stahlherstellern zu den großen Kritikern der Stahlterminkontrakte mit einer deutlich artikulierten, ablehnenden Haltung gegenüber einer Börseneinführung. Ein Sprecher von ThyssenKrupp hatte dann die vermuteten Transaktionen zwar bestätigt, allerdings mit dem Hinweis, dass es sich um einen Versuch gehandelt habe, sich aber an der (ablehnenden) Haltung nichts geändert habe. Insbesondere wurden weiter bestehende Zweifel hinsichtlich der Liquidität des Kontraktes zur Tauglichkeit als Hedgeinstrument genannt. Wobei man dem nur entgegenhalten kann, dass eine Verweigerung bzw. Ablehnung die erwünschte Zunahme der Liquidität auch nicht gerade sehr unterstützt. So beisst sich wieder einmal die Katze in den Schwanz. Vor dem Hintergrund stark gefallener Rohstahlpreise, wäre man heute bei dem ein oder anderen Stahlhersteller sicher ganz froh, hätte man es nicht bei einem Laborversuch belassen, sondern wäre bereits auf den Großflächenversuch übergegangen. Dem Stahlkontrakt dürfte eine erfolgversprechende Zukunft vorausstehen.Anders gesagt, wurden daher im allgemeinen die schon vorher verbreiteten Denkmodelle präsentiert, wobei man hinsichtlich der Aussagen einfach etwas vorsichtigere Worte wählte und aus pragmatischen Erwägungen nun davon ausgeht, dass es sich bei dem Einbruch der Notierungen in fast allen Märkten nur um eine vorübergehende Eintrübung beziehungsweise weitere Verschiebung der Erholung handelt. Als Argumente werden insbesondere immer wieder angeführt, dass Aluminium- und Nickel-Preise derzeit unterhalb der durchschnittlichen, variablen Produktionskosten liegen und sich daher das Angebot weiter reduzieren sollte. Häufig wird auch von einem Boden gesprochen, wenngleich das bereits eine äusserst progressive Aussage sein kann – wiederum nach den Erfahrungen der letzten Tage. Aber diese Ansätze sind, wie gesagt, nur aus der Not geboren, dass man derzeit einfach keine wirkliche Vorstellung über die weitere Entwicklung hat.
| LME Official Close (3 Monate) | ||||
| 11. November 2008 |
||||
| Nickel (Ni) | Kupfer (Cu) | Aluminium (Al) | ||
| Official Close 3 Mon.Ask |
11.195,00 USD/mt |
3.715,00 USD/mt |
1.961,00 USD/mt |
|
| LME stocks in mt | ||||
| 16. Oktober 2008 |
Datum | Delta in mt | Delta in % | |
| Nickel (Ni) | 55.266 |
57.924 |
+2.658 | +4,81% |
| Kupfer (Cu) | 212.025 | 265.475 | +53.450 | +25,21% |
| Aluminium (Al) | 1.470.450 | 1.550.025 | +79.575 |
+5,41% |