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01 Dec 09

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

Vor dem Hintergrund weiter steigender Lagerbestände in den akkreditierten Lagerhäusern der LME hat die Researchabteilung der französischen Großbank Société Générale den Zusammenhang zwischen Metallpreisen und Lagerbeständen einmal etwas genauer unter die Lupe genommen. Wenn sich auch die Analyse der Société Générale auf die Metalle Aluminium und Kupfer beschränkt, kann man die Erkenntnisse durchaus auch auf die anderen Börsenmetalle übertragen. Im übrigen werden damit die an dieser Stelle des Öfteren getroffenen qualitativen Aussagen zum Zusammenhang zwischen Lagerbeständen und Preisen nun auch einmal quantitativ bestätigt. Bis Ende 2004, so fand die Société Générale heraus, bestand für beide Metalle ein signifikanter Zusammenhang zwischen Preisniveau und Höhe der Lagerbestände. In der Folgezeit ist es dann jedoch zu einer diametralen Änderung des bisher bestehenden Zusammenhangs gekommen, was folgendes Beispiel illustriert. Im Juli 2004 lagen die LME-Kupferbestände bei rund 100.000 mt. Die 3-Monatsnotierung für Kupfer betrug USD 2.690,00/mt. Auch im Juli 2006 lagen die Bestände bei 100.000 mt, dann aber bei einem Preis von USD 7.590,00/mt.

Im Juli 2008 wurde bei wiederum gleichem Bestandsniveau ein Kurs von USD 8.650,00/mt erreicht. Natürlich hat sich im betrachteten Zeitraum auch die Gesamtgröße des Kupfermarktes deutlich erhöht. Dieses Faktum greift aber zu kurz, um alleine daraus die Veränderung der Korrelation zu erklären. Insbesondere muss man sehen, dass es über längere Phasen zum Phänomen steigender Preise bei gleichzeitig steigenden Beständen gekommen ist. Die Verfasser der Untersuchung halten daher die Etablierung der Rohstoffe als neue Anlageklasse für die Änderungen als im wesentlichen mitverantwortlich. Long-only-Indexfonds hätten in einem Umfeld tendenziell zurückgehender Hedgingaktivitäten der Primärmetallerzeuger zu einer allgemeinen Niveauverschiebung nach oben geführt. An dieser Stelle könnte man vielleicht auch noch sinnvoll ergänzen, dass es sich bei den Lagerbeständen um eine durch die Börse mitgeteilte Istgröße handelt, während sich die Preise in hohem Maße entsprechend der Erwartungen der Markteilnehmer bilden. Gerade der aufgezeigte Zeitraum war von einer wesentlichen Dynamik und Volatilität geprägt, so dass neben der erwarteten Bestandsentwicklung eine Reihe weiterer Faktoren, die letztlich auch für die Marktattraktivität für spekulative Interessen bedeutsam waren, den Ausschlag für die Preisentwicklung gegeben haben. Nach dieser Erkenntnis ist daher auch davon auszugehen, dass die „neue“, positive Korrelation zwischen Lagerbeständen und Metallpreisen auch zukünftig in gewissen Phasen immer wieder festzustellen sein wird.

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