01 Dec 09
Bei einer Umfrage des Metal Bulletins zur Frage, ob die LME das Handelsvolumen in commercial- und non-commercial-Positionen aufteilen soll, sprachen sich 92% der Befragten für Ja aus. In die gleiche Kerbe schlagen die Bemühungen und Überlegungen von Börsenregulatoren eine Unterscheidung zwischen spekulativen und zum Hedging (Rohstoffpreisabsicherung) eingegangenen Positionen vorzunehmen. Diese Diskussion wird vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Finanzkrise mit einiger Vehemenz und viel Emotion, aber nicht mit der angemessenen intellektuellen Durchdringung geführt. Unabhängig davon, dass es unmöglich erscheint, diese Trennung einigermaßen praktikabel und ohne Mithilfe der Börsenteilnehmer zu ermitteln – denn grundsätzlich können auch physisch interessierte Unternehmen spekulative Interessen haben sowie spekulative Marktteilnehmer ihre Positionen absichern, also hedgen wollen – handelt es sich letztlich bei jeder, im privaten wie geschäftlichen Wirtschaftleben getroffenen Entscheidung um eine Spekulation respektive Erwartung hinsichtlich der Zukunft.
. Viele Unternehmen spekulieren mit ihren Risikopositionen in Zinsen, Währungen und Rohstoffen, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Denn, man ist ja nicht an einer Terminbörse aktiv. Man muss daher in diesem Zusammenhang dringend von dem unglücklichen Begriff der Spekulation wegkommen. Vielmehr sollten als Maxime und zur Vermeidung künftiger (Finanz-)Kollapse die eingegangenen Risiken immer in einem angemessenen Verhältnis zu den Möglichkeiten und der Tragfähigkeit der Unternehmen stehen. Wird das für alle wesentlichen Wirtschaftsteilnehmer gewährleistet und überwacht, bleiben die Folgen von einzelnen und selbst kollektiven Fehleinschätzungen stets im Rahmen. Mit einem zweifelhaften, separierten Reporting wird man hingegen wenig bis gar nichts erreichen. Ebenso wäre ein Ausschluss von bestimmten Marktteilnehmern, sofern diese verhältnismäßige Risiken eingehen, auch kaum sinnvoll. Vernünftige Regeln der Rechnungslegung (GAAP) und deren konsequente Überwachung auch im Rahmen der Allokation von Eigen- und Fremdkapital sind die beste Prävention. Die anglo-amerikanische Rechnungslegung konnte dabei, wie unlängst am praktischen Beispiel belegt, nicht wirklich reüssieren und eignet sich daher auch nicht wirklich als Vorbild für die Zukunft.