04 Jan 10
Die Kursentwicklung im Dezember verlief damit wesentlich anders, als von den meisten Marktbeobachtern und Analysteen erwartet. Diese hatten aufgrund des zum Jahresende im Vergleich zum dritten Quartal signifikant schwächeren fundamentalen Umfelds in der Edelstahlproduktion eher mit weiteren negativen Preiskorrekturen gerechnet. Stattdessen stieg der Kurs aber innerhalb weniger Tage um beinahe 20% an. Mit den eigenen und in der Welt der Prognosen nicht unbedingt seltenen Fehleinschätzungen konfrontiert, werden nun viele, die falsch lagen, wieder auf das Pauschalargument der spekulativen Einflüsse und Manipulationen zurückgreifen wollen. Denn mit dieser Begründung lässt sich letztlich jede unvorhergesehene Entwicklung, da nicht auf fundamentalen oder technischen Daten basierend, entschuldigen.
Von besonderer Überzeugungskraft sind allerdings solche Plädoyers nicht, denn wesentliche spekulative Einflüsse und Interessen gibt es an der LME (und an vielen anderen Börsen) schon seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Eigentlich müsste daher inzwischen längst ein taugliches Modell bestehen, welches auch diese Einflüsse einigermaßen zuverlässig approximiert. Aber unabhängig davon, wäre es auch keine Schande, einmal zuzugeben, dass man mit seinen Prognosen falsch gelegen hat. Denn die Annahmen, welche zum größten Teil und schon dem Wortsinn nach unsicher sind, bestimmen nun einmal das Prognoseergebnis. Sind also die Annahmen unzutreffend oder unvollständig gewesen, kann eine Vorhersage nur noch aufgrund von Zufällen eintreffen, was dann jedoch nichts mehr mit der Qualität der Analyse zu tun hat.
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