04 Jan 10
Um wieder etwas praktischer zu werden, machten in den letzten Tagen denn auch – wie erwartet – einige Gerüchte unter LME-Händlern und -Teilnehmern die Runde. Dabei dürfte, wie meist bei Gerüchten, auch an diesen immer auch ein Körnchen Wahrheit enthalten gewesen sein. So wurde kolportiert, dass es im Zuge des sogenannten Re-weighing (die Anpassung der Anteile mit denen in bestimmte Assetklassen oder Vermögenswerte investiert wird) von Rohstoffindexfonds, Anfang 2010 zu größeren Verkäufen in einzelnen Metallen, so auch Nickel, kommen sollte. Nun fragt man sich zurecht, was dass mit einer Rally in den letzten Dezembertagen zu tun haben soll, denn die Kurse stiegen ja, anstatt – wie bei größeren Verkaufsorders zu erwarten – zu sinken.
Aber die besagte Story ging insofern noch weiter, als dass diese Indexfonds nun zur Absicherung der bestehenden Metallpositionen zunächst die dünnen Märkte der Feiertage nutzen wollten, um die Kurse mit geringen Transaktionsvolumen nach oben zu „pflegen“, um dann an den transaktionsstärkeren Handelstagen des neuen Jahres, die aufgrund der Anlagerichtlinien und –strategien verpflichtenden Verkäufe durchzuführen, ohne dass die Kurse dann aber allzu stark durch das eigene Handeln nach unten getrieben würden. In der Tat handelt es sich bei diesen Überlegungen um eine äußerst schöne Geschichte, die auch bekannte Elemente gängiger Verschwörungstheorien umfasst, doch scheint dieser Erklärungsversuch weder ex-ante noch ex-post beweisbar und auch nicht hinreichend kausal für die gesehenen Kurssteigerungen.
File: Lesen ,,Ich mache mir meinen eigenen Stichtagskurs" (PDF)