23 Jul 10
Wenn aber in diesem Zusammenhang der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) zu Protokoll gibt, dass Hedging für die Stahl- und Metallverarbeitung mangels geeigneter Instrumente ungeeignet sei, spricht das vor allem für einen erheblichen dortigen Beratungsbedarf. Man hätte eigentlich erwartet, dass die Entwicklung passgenauer Instrumente gegen Eisenerzpreissteigerungen gefordert worden wären. Im Übrigen bestünden – und das hier nur am Rande – aufgrund der bestehenden Korrelationen zwischen den Preisentwicklungen von verschiedensten Gütern durchaus Möglichkeiten, auch ohne derzeit optimalen Eisenerzfuture eine Absicherungsstrategie gegen künftige Preissteigerungen aufzusetzen. Noch einmal ist aber festzuhalten, dass damit ein langfristiger Preistrend nur zeitweise neutralisiert werden kann. Aber immerhin schafft das die erforderliche Reaktionszeit, um Anpassungen an den übrigen Strukturen, zum Beispiel bei den Mechanismen zur Festlegung von Absatzpreisen, vorzunehmen.
Einen Vorgeschmack, auf das, was hinsichtlich Rohstoffversorgung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch zu erwarten ist, zeigt folgendes Beispiel: Wie berichtet wird, hat ArcelorMittal im Kampf um den Eisenerzpreis die Produktion eines Werkes in Südafrika gestoppt. Der Eisenerzproduzent Kumba Iron Ore aus Südafrika hatte die Rohstofflieferungen an ArcelorMittal eingestellt, um den Abnehmer zum gewünschten Preisabschluss zu zwingen. Unabhängig von der Brisanz der Thematik werden in diesem Fall – wenn er sich denn tatsächlich so wie berichtet zugetragen hat – allerdings auch grundlegende Prinzipien einer fairen Zusammenarbeit unter Kaufleuten verletzt. Allerdings hat ArcelorMittal nach eigenen Angaben bereits einen Autarkiegrad (Eigenversorgung) von weit über 50% beim Eisenerzbedarf erreicht, so dass andere Verbraucher von einer solch zweifelhaften Maßnahme eines Rohstofflieferanten noch deutlich stärker betroffen wären.