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News item

25 Mar 08

Wer hilft Herrn Ackermann ?

Am 18.März 2008 überraschte Josef Ackermann, CEO der Deutsche Bank AG, die Öffentlichkeit mit einer Rede vor Bankern in Frankfurt. Er bat die Regierungen und Notenbanken um Hilfe: „Wir brauchen eine konzertierte Aktion von Notenbanken, Anlegern und Regierungen, um dieses Zusammenschmelzen von Werten endlich zu beenden.“ Nun fragt sich der wirtschaftsinteressierte Beobachter, was ein solcher Appell von einem Manager wie Ackermann soll, der gemeinsam mit seinem Institut nie müde wurde, Interventionen von staatlicher Seite als das größte Übel für die Marktwirtschaft zu geisseln. Geradezu hilflos müsste einem ein solcher Aufruf vor dem Hintergrund der erheblichen Turbulenzen an Finanzmärkten und Schwierigkeiten der Finanzinsitute vorkommen, gäbe es da nicht eine gewisse Historie der Deutschen Bank AG, durch gezielte PR, das ein oder andere zu bewegen, um es einmal diplomatisch auszudrücken. Zudem hat Ackermann an der gleichen Universität studiert wie der Autor, was weder für Ackermann, noch für den Autor sprechen muss. Sicher scheint so, dass er kein dummer und unerfahrener Junge ist, der nicht weiß, was er tut. Es ist wohl vielmehr davon auszugehen, dass die Deutsche Bank AG, versucht, aus der bestehenden Krise Kapital zu schlagen. Denn die Bank scheint zumindest bisher von der Kreditkrise weniger betroffen zu sein, als mancher Wettbewerber. Von daher kann es durchaus Sinn machen, die Ängste weiter zu schüren und die Unsicherheiten der Märkte weiter zu füttern, denn dieses ist den Bewertungen der in Schieflage befindlichen oder dort vermuteten Instituten eher abträglich und damit Ackermann’s Interessen zuträglich.

Anstatt aber die Äußerungen des Bankchefs geflissentlich zu ignorieren, springt die versammelte Politik- und Bundesbank-Riege auf die Agenda auf und argumentiert nun gegen eine Einmischung des Staates und der Notenbanken. Und die große deutsche Dienstleistungsgewerkschaft Verdi springt plötzlich dem Klassenfeind zur Seite, indem sie in das gleiche Horn bläst. Rollentausch oder verkehrte Welt möchte man meinen. Und just drei Tage später ist zu erfahren, dass sich die Deutsche Bank doch tatsächlich unter den Bietern für die angeschlagenen Investmentbank Bear Stearns befand und sogar noch Chancen hat zum Zuge zu kommen, nachdem JPMorganChase als derzeit gehandelter Käufer wohl bei den Preisverhandlungen ein wenig zu abgezockt war, so dass es erhebliche Widerstände aus dem Bereich durchaus einflussreicher Aktionärsgruppen gibt. Da aber im Zuge dieser Transaktion die amerikanische Notenbank Fed eine Abschirmung der Risiken in Höhe von 30 Mrd. USD garantiert, muss man doch auch als guter Kapitalist für eine Einmischung des Staates sein. Wer Moral sucht, ist in der Wirtschaft wohl sicher falsch.

Unüberschaubar sind indes die Effekte, die die Subprimekrise auf den Finanzmärkten zeitigt. Manche meinen allerdings nicht ganz unbegründet, dass man sich erst am Anfang der Entwicklung befindet. Mit anderen Worten: die Blase ist nicht bereits geplatzt, sondern ist noch im Platzen begriffen. Klar ist jedenfalls, dass insbesondere der Finanz- und Bankensektor massiv betroffen ist. Insbesondere zeigt sich eine Zweiteilung der Branche, in einen Teil der Institute, die nicht oder nur in einem den Bilanzstrukturen angemessenen Umfang betroffen sind und in einen anderen Teil, die existenziell bedroht sind. Letzteren wird es aufgrund erheblich gestiegener Refinanzierungskosten immer schwerer im Neugeschäft noch attraktive Konditionen anbieten zu können, andererseits verlieren diese bei nicht fristenkongruent refinanzierten Engagements Tag für Tag erhebliche Beträge. Hinzu kommen immer wieder Gerüchte über Liquiditätsprobleme bei Bankhäusern, die sich schnell verselbständigen und so schliesslich zu einer self fullfilling proficy werden können. Die Zeiten rot gefärbter Bankbilanzen wird daher vermutlich für einen Teil der Branche noch einige Zeit fortdauern, während die heute solide aufgestellten Banken über die nächten Jahre einen deutlichen Zulauf von Kunden erfahren dürften. Solange diese Umschichtung und der Neuabschluss von Finanzierungen in Übereinstimmung mit den Kündigungsfristen von Bankmitarbeitern, der ausreichenden Zurverfügungstellung von Büroraum und einer ausreichenden Versorgung der topgerateten Adressen mit Liquidität erfolgt, sollten sich die Auswirkungen auf die sogenannte reale Wirtschaft in Grenzen halten. Hoffnungsvoll stimmt in diesem Zusammenhang, dass es in vielen Unternehmen noch erfreulich robust zugeht und auch die Zukunftserwartungen der Manager im Nichtbankengewerbe besser sind, als vielleicht zu erwarten wäre. Es ist daher zu wünschen, dass es ausser graduellen Verschlechterungen in den Finanzierungskonditionen nicht zu einem Flächenbrand in den Volkswirtschaften kommt, sondern sich die Krise im wesentlichen auf den Finanzsektor beschränken wird.

Leider ist diese Ansicht noch nicht allzu verbreitet, im Gegenteil, die Nervosität und Unsicherheit an den Märkten ist erheblich. Dies zeigt sich insbesondere an den deutlich gestiegenen Volatilitäten. Tägliche Bewegungen von mehreren Prozent in beide Richtungen gehören zur Tagesordnung und auch an den Metallmärkten hat sich diese ohnehin schon bestehende Tendenz weiter verstärkt. Nickel als wesentlicher Rohstoff zur Produktion von Edelstahl hat sich an der London Metal Exchange (LME) nicht von diesen allgemeinen Entwicklungen abkoppeln können, obschon der Eindruck besteht, dass die fundamental bedeutsame Edelstahlkonjunktur wieder mit deutlich höheren Drehzahlen läuft, als noch im zweiten Halbjahr 2007 und zu Beginn des Jahres 2008. Die Nickelnotierungen erholten sich in der ersten Märzhälfte zunächst bis in den Bereich von USD 34.000,00/mt, um dann im Zuge von Gewinnnmitnahmen und einer wieder zunehmenden Verunsicherung der Finanzmärkte im Zusammenhang mit den Problemen bei der US-amerikanischen Investmantbank Bear Stearns und den darauf folgenden panikartigen Interventionen der Federal Reserve wieder deutlich Richtung USD 28.000,00/mt zu korrigieren. Dabei war Nickel nicht allein betroffen, sämliche Basismetalle verzeichneten erhebliche Verluste und selbst Öl und Gold gaben deutlich ab. Der Dollar hingegen konnten sich trotz eines erneut gesenkten Leitzinses (um 0,75%) gegenüber dem Euro wieder etwas befestigen.

Die Vermutung liegt daher nahe, dass viele Investoren vor den Osterfeiertagen ihr Heil in der Liquidität suchten und Positionen glattstellten, denn die börsenfreien Osterfeiertage hätten sich gut für die Platzierung weiterer Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor eignen können. Die Erfahrung der Bear Stearns-Aktionäre, die freitags mit einem Kurs von USD 30,00 pro Aktie ins Wochenende gingen und am Montag mit Kursen von USD 2,00 (!!!) begrüßt wurden, wollten sich viele Marktteilnehmer dann doch lieber ersparen. Am letzten Handelstag vor Ostern handelte Nickel schliesslich wieder leicht erholt um USD 29.000,00/mt.

Am 25. Februar wurden an der LME die ersten Stahl-Futures eingeführt. Dabei fand der Handel zunächst nur telefonisch und auf elektronischem Wege statt; am 28. April soll dann auch der Parketthandel eröffnet werden. Die Stahlproduzenten hatten sich in der Regel gegen eine Aufnahme des Handels ausgesprochen, weil diese mögliche Manipulationen des Börsenmarktes durch Hedgefonds und ferner den Verlust ihrer Preissetzungsmacht fürchten. Während das erste Argument noch in Grenzen nachvollziehbar ist, muss man bei dem zweiten Argument entgegensetzen, dass sich gerade die großen Stahlunternehmen immer auf einen funktionierenden Welthandel berufen und bei jeder angeblichen Verletzung direkt entsprechende Antidumpingverfahren einleiten. Insofern sollte doch die über die Börse mutmasslich zunehmende Markttransparenz mit ihren Vorstellungen in Einklang stehen. Jedenfalls besteht auf Seiten der Konsumenten ein erhebliches und auch berechtigtes Interesse sich gegen Preisschwankungen absichern zu können und das nicht nur über langfristige Lieferverträge mit den Produzenten. Dies ist für die Verbraucher insofern heute mit einer weitaus höheren Priorität versehen, als noch vor einigen Jahren, da die Bedeutung des Stahlanteils in den jeweiligen Produktkalkulationen über die in den vergangenen Jahren erheblich gestiegenen Preise entsprechend zugenommen hat. Preisgleitklauseln im Sinne zum Beispiel der Legierungszuschläge sind dabei in der Regel ein Instrument, die wohl den Produzenten vor Rohstoffpreiserhöhungen schützen, nicht aber dem Verbraucher eine verlässliche Kalkulationsgrundlage bieten, sofern dieser nicht die Möglichkeit hat, entsprechende Rohstoffpreiserhöhungen an seine Abnehmer weiterzugeben. Den letztendlichen Erfolg der Stahlfutures und deren Akzeptanz durch die Marktteilnehmer wird die Zukunft zeigen müssen.

Wie die Europäische Kommission nach eigener Bekundung festgestellt hat, wird die wachsende globale Wirtschaft zunehmend Druck auf die herstellende Industrie in Europa ausüben – und auch Fragen hinsichtlich der Verfügbarkeit und der Kosten von Rohstoffen aufwerfen. Daher soll im Laufe des zweiten Halbjahrs durch die Europäische Kommission eine Mitteilung dazu vorgelegt werden. Ziel ist ein integrierter Ansatz in der Rohstoffpolitik, bei der die Rohstoffversorgung „nachhaltig“ sein soll. So schön und richtig diese späte Feststellung ist, so traurig ist es auf der anderen Seite, dass sich die exekutiven Lenker der Europäischen Union in Konsultationsverfahren aufhalten, während die anderen Wirtschaftsräume bereits alle nennenswerten Rohstoffvorkommen und – vorhaben unter sich aufgeteilt haben. Zu einem Umdenken hinsichtlich der Rohstoffe und zu einer viel stärkere Förderung der einzigen wesentlichen heimischen Ressourcen, der Sekundärrohstoffe, wird es so oder so, auch ohne die „vorausschauenden“ Aktionen der Europäischen Union, kommen. Europa wird dazu schlichtweg von außen gezwungen werden.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
20. März 2008
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
28.500,00
USD/mt
7.665,00
USD/mt
2.808,00
USD/mt
 

LME stocks in mt
  25. Februar 2008
25. März 2008
Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni)  47.976 47.622 - 354
- 0,74%
Kupfer (Cu)  149.225 120.175 - 29.050 - 19,48%
Aluminium (Al)  950.900 1.035.350
+ 84.450 + 8,88%