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News item

12 Jun 09

Markt liest den Zweiflern die Leviten

Auch wenn in den Medien erfreulicherweise mehr und mehr positive Meldungen zur Wirtschaftskrise zu lesen sind, kann nur davor gewarnt werden, davon auszugehen, die Krise sei nun gesamtwirtschaftlich vorüber und ab 2010 liefe alles dann wieder wie zuvor. Die Tatsache, dass in USA nun im Monat „nur“ noch 300.000 Menschen den Job verlieren, gegenüber dem vorhergehenden Halbjahr, wo Monat für Monat jeweils 600.000 Beschäftigte arbeitslos wurden, ist an sich noch keine gute Meldung, auch wenn diese eine Bodenbildung beschreiben könnte.

Dennoch überschlagen sich insbesondere die Aktienmärkte in einer Euphorie und honorieren derartige Meldungen, dass es einem nur Angst und Bange werden kann. Denn, auch diese zuvor 600.000 und heute noch 300.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, werden sich, neben den nicht zu vernachlässigenden, persönlichen Schicksalen, auch in den Bilanzen der Banken und Unternehmen widerspiegeln. Nämlich bei entsprechender Konsumzurückhaltung oder –verzicht in den Umsätzen und bei Problemen bei der Bedienung von Krediten und Darlehen als entsprechende Wertberichtigungen der Engagements. 

Trotzdem steigen die Aktienkurse und der Dollar, als Währung einer der am meisten betroffenen Wirtschaftsregionen, erholt sich gegenüber dem Euro und anderen Währungen. Nicht umsonst warnt der internationale Luftfahrtverband IATA vor einem gewaltigen Minus der Branche für das Geschäftsjahr 2009. Fälle wie Woolworth und Arcandor im Warenhaussektor, gibt es leider auch im Luftverkehr, mit vermutlich vergleichbarem Ausgang. Im übrigen wurden die Probleme dieser Unternehmen nicht erst durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise begründet. Aber das Gewähren und Versagen von staatlicher Unterstützung für solche Unternehmen scheint – trotz klarer Kriterien – jetzt schon als politischer und gesellschaftlicher Zankapfel prädestiniert.

Aufgrund mitunter recht willkürlicher Argumentation auf Politikerseite vor den bestehenden Parlamentswahlen im September 2009 in Deutschland ist dieser Eindruck der Bevölkerung auch durchaus nachvollziehbar. Die Krise hat das ökonomische Verständnis der beruflichen Stimmenmaximierer = Politiker offensichtlich noch nicht hinreichend geschärft. Die wenigen seriösen und vernünftigen Stimmen, die bei den diversen Hilfeersuchen auch die Interessen der Steuerzahler im Blick behalten, bekommen unverzüglich Gegenwind, nicht nur von der Opposition, sondern sogar aus den eigenen Parteien. Offensichtlich will man die Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen.

Zuletzt berichteten wir von der Bodenbildung und einsetzenden Erholung bei der Edelstahlproduktion in Asien als Ausgangspunkt einer Marktstabilisierung auch anderswo. Diese Einschätzung wird nun durch neue Daten gestützt. So berichtet das Research der renommierten, australischen Commodity-Bank Maquarie, dass Chinas größte Edelstahlproduzenten im Mai eine sehr gute Kapazitätsauslastung hatten. So produzierte Tisco, den Angaben des Berichts zufolge, 200 bis 220 Tsd. Tonnen Edelstahl, verglichen mit 95 Tsd. Tonnen pro Monat im 4. Quartal 2008. Baosteel hatte einen Output von 120 Tsd. Tonnen, verglichen mit 30 Tsd. Tonnen im Oktober und November letzten Jahres.

Für Juni wird zwar eine leichte Reduzierung der Tonnagen um 5-10% erwartet, aber insgesamt sind das doch sehr gute Signale für die frühzyklische Edelstahlbranche, die den Boden nun klar hinter sich gelassen hat. Damit, so auch das Fazit von Maquarie Research, beruhen die Kurssteigerungen der letzten Wochen und Monate auf Notierungen bis zu USD 15.900,00/mt  – eben nicht auf lediglich spekulativen Einflüssen – sondern auf einer langsamen „Normalisierung“ der Märkte ausgehend von einer Nachfrageerholung in China/Asien. Selbst ein zeitweise stärkerer USD ändert an dieser Entwicklung, anders als noch in den Vormonaten, nicht mehr ohne weiteres etwas.

Der manifeste Kurstrend ist auch nicht wirklich überraschend, dennoch hatte manch einer  Nickelnotierungen von USD 9.000,00/mt und tiefer für durchaus auch mittelfristig als realistisch empfunden. Diese Zweifel hat der Markt nun ausgeräumt und seine eigene Auffassung zur Frage der Nachhaltigkeit der zum Jahreswechsel gesehenen Rohstoffnotierungen kund getan. Mit anderen Worten, während es bei dem Gros der Aktien – insbesondere in den Branchen Dienstleistung, Konsumgüter und Finanzen – nach den gesehenen Kurssteigerungen noch ein erhebliches Rückschlagspotential gibt, ist der „günstigste“ Einstiegszeitpunkt bei den Rohstoffen für Investoren wohl schon verpaßt.

Bedauerlich ist, dass von diesem Basiszusammenhang noch nicht breiter Kenntnis genommen wurde, denn das Verhalten vieler Akteure auf Unternehmens- wie auf Investoren-/Finanzierungsseite ist nach wie vor fast ausschliesslich zyklisch. Damit werden Opportunitäten verschenkt und andererseits zum „schlechtesten Zeitpunkt“ bzw. All-time-high überbewertete Assets auf die Bilanzen genommen, die im nachfolgenden Abschwung dann häufig für die existenziellen Probleme bei Käufern und Banken sorgen.

So werden neben der Automobilindustrie derzeit insbesondere auch Stahl und Maschinenbau intensiv durch die Finanzwelt beobachtet. Was auf der einen Seite, bis zu einem gewissen Grad richtig und sinnvoll ist, kommt eigentlich zu spät, denn Probleme, die jetzt schon bestehen, sind kaum noch zu beheben und werden so oder so ihre Folgen haben, auf der anderen Seite, wird durch das hohe Misstrauen, mitunter auch die einsetzende Erholung gehemmt. Würde man sich heute hingegen ebenso intensiv mit den Branchen auseinandersetzen und beschäftigen, die heute noch nicht in den Schlagzeilen stehen, würde man die Lawine, die hier noch auf die Finanzwelt zurollt, möglicherweise in dem ein oder anderen Fall noch rechtzeitig stoppen können. Aber dies ist offensichtlich systematisch nicht gewollt, da nur auf entsprechend klare Signale und damit zu spät reagiert wird. Dies gilt im übrigen auch für die positiven Signale.

Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die interationale Minenindustrie. Hatte diese noch bis weit in 2008 mit einer nie gesehenen Merger-Mania vielerorten die Kassen von Verkäufern, (Investment-)Banken, M&A-Beratern und Rechtsanwälten gefüllt, kam danach der jähe Absturz. Downgradings bei den Ratingagenturen, Entschuldungsauflagen von den Banken und gewaltiger Wertberichtigungsbedarf bei den Unternehmen für die erworbenen Beteiligungen sowie bei den Banken für die entsprechenden Übernahmefinanzierungen waren die Folge. Wäre man nur geringfügig antizyklischer an diese Themen herangegangen, hätte man diese großen Probleme heute nicht.

Aber die Geschichte geht noch weiter, insofern als die Minenindustrie nun sämtliche Planungen der Vergangenheit über die Erschliessung von neuen Rohstoffvorkommen aus eigenen Stücken und auch aufgrund fehlender Finanzierung über den Haufen geworfen hat, um damit in eigentlich unverantwortlicher Weise die Basis für die Rohstoffengpässe der Zukunft zu legen. Allein das diversifizierte, brasilianische Minenunternehmen Vale (vormals: CVRD Companhia Vale do Rio Doce) hat sein Investitionsbudget für 2009 um USD 5.2 Mrd. auf nur noch rund USD 9 Mrd. zurückgenommen. Was das für die Zukunft heißen wird, kann man ausnahmsweise einmal zutreffend an den „Fehl“-Entwicklungen der Vergangenheit ablesen.

 

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Erholung der Metallnotierungen an der London Metal Exchange (LME) kehrt auch das Interesse der Banken an den Rohstoffen zurück. Dies kann durchaus auch als Positivbeispiel im vorstehend diskutierten Kontext gesehen werden. So plant die spanische Banco Santander, Marktgerüchten zufolge, mit einer eigenen Organisationseinheit den Börsenhandel an der LME aufzunehmen. Eine offizielle Bestätigung gibt es hierzu von der Banco Santander allerdings noch nicht.

 

 

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
12.Juni 2009
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
15.605,00
USD/mt
 5.255,00
USD/mt
1.671,00
USD/mt
 

LME Bestände in mt
  15.Mai 2009 
12.Juni 2009
Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 110.202
108.948 -1.254
-1,14%
Kupfer (Cu) 357.800 290.275 -67.525 -18,87%
Aluminium (Al) 3.935.975 4.269.850
+333.875
+8,48%