23 Jul 10
Der Nickelmarkt befand sich in den letzten Wochen in einer richtungslosen Verfassung ohne wirkliches Eigenleben. Es wäre daher sehr schön, wenn das Tentakel-Orakel mit Krake Paul aus Oberhausen, welches während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika zuverlässig seinen Dienst getan hat, auch für den Nickelmarkt treffsichere Vorhersagen machen könnte. Zu den wenigen Dingen, die derzeit von fundamentaler Seite zu berichten wären, gehört die merkliche Abschwächung der Rohstoffnachfrage aus den Edelstahlwerken, wobei es sich hierbei wohl eher um den saisonal üblichen Rückgang handelt, in den nicht unbedingt Double-dip-Szenarien hineingedeutet werden dürfen.
Vielmehr sollte es zu einer erneuten Belebung nach Beendigung der Sommerperiode im September/Oktober kommen. Dafür spricht, dass, obwohl der Streik bei Vale Inco in Sudbury/Kanada nach knapp einem Jahr beigelegt wurde, die Notierungen nicht merklich nach unten reagiert haben, was bei anderer Einschätzung hinsichtlich der weiteren Entwicklung hätte erfolgen müssen. Des Weiteren schreitet auch die kontinuierliche Abnahme der LME-Lagerbestände fort. So haben sich diese vom Höchtstbestand bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (23. Juli 2010) auf 116.814 mt oder um rund 30% deutlich reduziert. Darüber hinaus deutet auch die lediglich geringe Reduzierung der südafrikanischen Produzentenpreisreferenz für Ferrochrom von USD 1,36 per lb für das 2. Quartal 2010 auf USD 1,30 per lb für das 3. Quartal 2010 auf eine erwartete intakte Produktion nach den Sommermonaten hin. Immer wieder muss man aber darauf hinweisen, dass bereits seit einiger Zeit gerade die asiatische Nachfrage für die Preisentwicklung und -erwartung eine wesentliche Rolle spielt. Nachdem das Jahr 2010 in Asien hinsichtlich der Edelstahlproduktion nach ersten vorliegenden Zahlen – im Kontext eines gebremsten, aber im Vergleich mit dem krisengeschüttelten Europa und USA immer noch beeindruckenden Wachstums – bisher eher moderat verlief, kann man nach dieser „gewollten“ Abkühlung durchaus zum Jahresende hin wieder mit einer Beschleunigung des Wachstums rechnen.
Für Europa und die USA sollten sich die Produktionszahlen langsam weiter normalisieren, wobei auch mittelfristig eher mit einer zähen Erholung zu rechnen ist. Hier gibt es insbesondere in Europa Kapazitätsthemen, die zu lösen sind. Impulse für die Märkte sind daher nach wie vor eher aus den emerging markets zu erwarten. Mutmaßlich vor dem Hintergrund der vorstehenden Ausführungen haben sich die aktuellen Nickelnotierungen in den letzten Tagen wieder bis auf über USD 20.500,00/mt befestigt.
Die Bankenwelt hat die Rohstoffe (wieder) neu entdeckt. Gegenwärtig werden durch zahlreiche Finanzinstitute Absicherungslösungen nicht nur für Devisen und Zinsen, sondern verstärkt auch gegen Rohstoffpreisschwankungen angeboten. So sehr die Qualität des Vertriebs und der Umsetzung auch im einzelnen schwankt und so unterschiedlich wettbewerbsfähig die Preisstellung im Einzelnen ist, so sinnvoll und weiterführend ist für alle Beteiligten die Auseinandersetzung mit dem Thema. Auch wenn man über Absicherungs-(Hedging-) Strategien natürlich langfristige und dauerhafte Strukturverschiebungen im Preisniveau nicht von den Unternehmen fernhalten kann, so kann man diese aufgrund der erheblichen Volatilitäten der Rohstoffpreise entstehenden Schwankungen doch zumindest dämpfen, respektive teilweise neutralisieren. Selbst wenn es daher im Einzelfall aufgrund der durch die Banken genutzten preislichen Intransparenz der verwendeten Derivate noch Optimierungsmöglichkeiten für die Unternehmen gäbe, sorgt schon die möglichst strukturierte Beschäftigung mit den bestehenden Risiken für einen Erkenntnisgewinn auf Seiten der Unternehmen (und falls Identität besteht gegebenenfalls sogar seitens der kreditgebenden Banken). Und auch in den so eingegangenen Absicherungsvereinbarungen besteht in der Regel ein erheblicher Mehrwert.
Wenn aber in diesem Zusammenhang der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) zu Protokoll gibt, dass Hedging für die Stahl- und Metallverarbeitung mangels geeigneter Instrumente ungeeignet sei, spricht das vor allem für einen erheblichen dortigen Beratungsbedarf. Man hätte eigentlich erwartet, dass die Entwicklung passgenauer Instrumente gegen Eisenerzpreissteigerungen gefordert worden wären. Im Übrigen bestünden – und das hier nur am Rande – aufgrund der bestehenden Korrelationen zwischen den Preisentwicklungen von verschiedensten Gütern durchaus Möglichkeiten, auch ohne derzeit optimalen Eisenerzfuture eine Absicherungsstrategie gegen künftige Preissteigerungen aufzusetzen. Noch einmal ist aber festzuhalten, dass damit ein langfristiger Preistrend nur zeitweise neutralisiert werden kann. Aber immerhin schafft das die erforderliche Reaktionszeit, um Anpassungen an den übrigen Strukturen, zum Beispiel bei den Mechanismen zur Festlegung von Absatzpreisen, vorzunehmen.
Einen Vorgeschmack, auf das, was hinsichtlich Rohstoffversorgung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch zu erwarten ist, zeigt folgendes Beispiel: Wie berichtet wird, hat ArcelorMittal im Kampf um den Eisenerzpreis die Produktion eines Werkes in Südafrika gestoppt. Der Eisenerzproduzent Kumba Iron Ore aus Südafrika hatte die Rohstofflieferungen an ArcelorMittal eingestellt, um den Abnehmer zum gewünschten Preisabschluss zu zwingen. Unabhängig von der Brisanz der Thematik werden in diesem Fall – wenn er sich denn tatsächlich so wie berichtet zugetragen hat – allerdings auch grundlegende Prinzipien einer fairen Zusammenarbeit unter Kaufleuten verletzt. Allerdings hat ArcelorMittal nach eigenen Angaben bereits einen Autarkiegrad (Eigenversorgung) von weit über 50% beim Eisenerzbedarf erreicht, so dass andere Verbraucher von einer solch zweifelhaften Maßnahme eines Rohstofflieferanten noch deutlich stärker betroffen wären.
Aus diesem Grund soll auch die zum Wirtschaftsministerium der Bundesrepublik Deutschland gehörende Bundesanstalt für Rohstoffe und Geowissenschaften zu einer Rohstoffagentur ausgebaut werden, die die Wirtschaft bei der Bewältigung der aus den Rohstoffen entstehenden Herausforderungen unterstützen soll. Investments in Rohstoffvorkommen, wie in anderen Volkswirtschaften an der Tagesordnung, sind damit aber ausdrücklich nicht gemeint. Wie das Handelsblatt in seinem unlängst erschienenen Artikel „Deutsches Gold – Millionen aus der Mülltonne“ zeigt, könnten die Sekundärrohstoffe in der Zukunft eine weit wesentlichere Rolle spielen, auch und gerade wenn es um die Reduzierung der Abhängigkeit von den hochkonzentrierten Primärrohstoffanbietern geht.
| LME Official Close (3 Monate) | ||||
| 23. Juli 2010 | ||||
| Nickel (Ni) | Kupfer (Cu) | Aluminium (Al) | ||
| Official Close 3 Mon.Ask |
20.500,00 USD/mt |
7.021,00 USD/mt |
2.024,00 USD/mt |
|
| LME Bestände in mt | ||||
| 16. Juni 2010 |
23. Juli 2010 |
Delta in mt | Delta in % | |
| Nickel (Ni) | 131.712 |
116.814 | -14.898 |
-11,31% |
| Kupfer (Cu) | 459.150 | 419.650 | -39.500 | -8,60% |
| Aluminium (Al) | 4.487.925 | 4.409.975 |
-77.950 |
-1,74% |